Friedrich Merz sieht die seit dem Zweiten Weltkrieg gewachsene “unbedingte” Freundschaft zwischen den USA und Europa zumindest vorerst als beendet an. Die Äußerung des deutschen Bundeskanzlers ist das jüngste Zeichen für den Bruch der transatlantischen Beziehungen unter US-Präsident Donald Trump.
“Diese Zeit dieser unbedingten transatlantischen Freundschaft ist wahrscheinlich für längere Zeit vorbei”, sagte Merz. “Wir sehen auf der anderen Seite des Atlantiks eine Veränderung der politischen Haltung, eine Veränderung auch der Einschätzung des transatlantischen Bündnisses, die wir so möglicherweise nicht für möglich gehalten hätten.”
Vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl am Sonntag hielt Merz eine Wahlkampfrede in der CDU-Zentrale. Dabei stellte er die gegenwärtigen Beziehungen zu den USA früheren Besuchen amerikanischer Präsidenten in der deutschen Hauptstadt gegenüber und verwies auf berühmte Reden von John F. Kennedy und Ronald Reagan.
Am selben Tag telefonierte Merz mit Trump. Beide betonten die besondere Verbundenheit zwischen Deutschen und Amerikanern, wie ein Sprecher der Bundesregierung mitteilte. Sie sprachen außerdem über die Bemühungen der USA, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu beenden, sowie über die anhaltenden Krisen um die Straße von Hormus und das Rote Meer.
Kanadas Premierminister Mark Carney hatte in dieser Woche einen Vorstoß begrüßt, sein Land zum “assoziierten Mitglied” der Europäischen Union zu machen. Trump drohte daraufhin mit einer neuen Runde von Zöllen gegen Europa, falls er die künftige Lage als schädlich für die USA erachtet.
Trump lobte den Sieg der Alternative für Deutschland bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in diesem Monat. Das Wahlergebnis hatte das politische Establishment des Landes erschüttert und Forderungen nach einem Rücktritt von Merz ausgelöst.
Merz hat bereits in der Vergangenheit mit seiner Rhetorik die Trump-Regierung provoziert. Im April sagte er vor einer Gruppe von Schülern, US-Unterhändler auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Krieg mit dem Iran würden “gedemütigt”. Der US-Präsident reagierte mit der Ankündigung, rund 5.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen.
Die Äußerungen erinnern an Aussagen der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Mai 2017, während Trumps erster Amtszeit, sagte sie auf einer Veranstaltung, die seit dem Zweiten Weltkrieg aufgebauten verlässlichen Beziehungen seien “ein Stück weit vorbei”. Die Äußerungen sorgten weltweit für Aufmerksamkeit.
Originalbeitrag Bloomberg
